Grünland

Definition und Bedeutung

 

Grünland umfasst alle dauerhaften Pflanzengemeinschaften aus Kräutern und Gräsern, die natürlich oder durch Nutzung des Menschen entstanden sind. Dazu gehören gedüngte und ungedüngte Wiesen und Weiden zur Futtergewinnung, aber auch Mähwiesen zur Biomasse- und Einstreugewinnung, sowie Naturschutzflächen wie Feuchtgrünland, Magerrasen und Streuobstwiesen [Lobsiger und Wyss, 2008]. Wiesen und Weiden prägen seit Jahrhunderten das Landschaftsbild unzähliger Regionen und stellen für über 90 % der deutschen Bevölkerung einen wichtigen bis sehr wichtigen Bestandteil der Natur und Landschaft dar [BUNDESAMT FÜR NATURSCHUTZ, 2014].

Gleichzeitig dienen Weiden und Schnittwiesen als Futtergrundlage für herbivore Nutztiere wie Rinder, Schafe oder Ziegen. Dank ihres komplexen Verdauungssystems sind diese in der Lage, für den Menschen unverdauliche Pflanzenbestandteile aufzuschließen, in hochverdauliche Produkte wie Milch und Fleisch umzuwandeln und so für die menschliche Ernährung zugängig zu machen [Thomet et al., 2011].

Die ganzjährig geschlossene Pflanzendecke von Dauergrünland schützt, vor allem an Hanglagen, vor Erosion durch Wind- und Wasser. Ebenso wirkt die dichte Grasnarbe dem Austrag von Nährstoffen entgegen. Das Risiko für die Auswaschung von Nitrat und Phosphat ist geringer als auf Ackerflächen [Röder et al., 2015]. Ein weiterer bedeutender Aspekt ist die Wirkung von Grünland im Klimaschutz, als Kohlenstoffrückhalt und Kohlenstoffsenke. Trotz des geringen Flächenanteils von Weiden und Wiesen an der landwirtschaftlichen Nutzfläche, speichern diese mehr als 35 % der gesamten Kohlenstoffvorräte landwirtschaftlicher Böden [von Haaren, 2010]. Der Ausprägungsgrad als Kohlenstoffsenke ist abhängig von Bodenart, Wasserstand, Alter und Nutzung der Grünlandfläche (siehe Moorschutz). Eine hohe Mineralisierungsrate wirkt der langfristigen Speicherung von Kohlenstoff entgegen.

Grünlandwirtschaft in Deutschland

Rund ein Viertel (4,7 Mio ha) der landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF) in Deutschland wird als Grünland bewirtschaftet. Regional dominiert Grünland vor allem die Offenlandschaften im Alpenvorland und an der niedersächsische Nordseeküste [Röder et al., 2015]. Diese Regionen verbindet, dass aufgrund klimatischer und geomorphologischer Gegebenheiten eine ackerbauliche Nutzung nicht möglich oder ungünstig bzw. eine Grünlandnutzung effizienter ist [Steinwidder und Starz, 2015]. Sie zeichnen sich durch Standortfaktoren wie hohe Niederschläge, hohe Grundwasserstände, teilweise hohe Tongehalte oder extreme Hangneigungen aus.

Die landwirtschaftlich genutzten Standorte Nordostdeutschlands sind überwiegend charakterisiert durch sandige Böden mit geringem Ertragspotential und wenig Niederschlag [Bachinger, 2002]. Des Weiteren gibt es einen hohen Anteil an grundwasserbeeinflussten Moorböden [Greiner et al., 2009]. Der Anteil der landwirtschaftlich genutzten Fläche, der in Nationalen Naturlandschaften wie Biosphärenreservaten und Naturparks liegt, ist mit  einem Viertel vergleichsweise hoch.

Der Grünlandanteil an der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Brandenburg (1,32 Mio ha) beträgt knapp 23 % [AMT FÜR STATISTIK BERLIN-BRANDENBURG, 2019], der Großteil der Grünlandflächen wird als Weidefläche inklusive Mähweiden genutzt [Destatis, 2017]. Die ökologisch bewirtschafteten Flächen weisen in Brandenburg ein Grünlandanteil von 38 % auf. Die Grünlandnutzung auf organogenen Standorten ist in Brandenburg von großer Bedeutung, etwa 75% der Grünlandflächen befinden sich auf den für die nordostdeutschen Niederungen typischen Niedermoor- und Auenstandorten [Greiner et al., 2009].

Nutzung organischer Grünlandflächen

Weide- und Schnittnutzung

Über die Hälfte des deutschen Grünlands (57,4 %) wird als Weiden/Mähweiden genutzt [Destatis 2017]. Als Weiden werden Flächen bezeichnet, die mit krautigen Pflanzen, insbesondere Süßgräsern, bewachsen sind und deren Aufwuchs von Nutztieren direkt auf der Fläche gefressen wird. Weiden sind somit eine vom Menschen geschaffene Form der Grünlandnutzung unter Ausnutzung des positiven Effekts von Verbiss und Kot der Tiere auf den Pflanzenbestand. Molkereiprodukte und Fleisch von Tieren aus Weidehaltung zeigen in diesem Zusammenhang einen besonders hohen Ernährungswert [Bisig et al., 2014]. Die Weide ist auch Bindeglied zwischen Produzenten und Konsumenten tierischer Produkte und trägt dadurch zur Erhaltung der Akzeptanz landwirtschaftlicher Nutztierhaltung bei [Steinwidder und Starz, 2015]. Für das Weidetier bedeutet die Weide die Möglichkeit, arteigenes Verhalten in großem Maße auszuleben. Die Weidehaltung bietet bei sachgemäßem Management einen hohen Grad an Tierwohl durch die Berücksichtigung der natürlichen Bedürfnisse der Tiere [Gauly, 2015].

Die Schnittnutzung ist – im Gegensatz zur Beweidung – nicht selektiv und führt zu einem plötzlichen Einschnitt für alle Pflanzen. Wiesen werden in Futter- und Streuwiesen differenziert. Futterwiesen sollen dem Vieh in Zeiten der Stallhaltung ein gut verdauliches und möglichst energiereiches Futter (Heu, Silage) liefern. Feuchte und nasse Wiesen können wegen der hohen Wasserstände im Frühjahr meist erst später (Juni) gemäht werden. Streuwiesen gelten historisch als die „Mutter des Ackerbaus“ – die in den Ställen ausgebrachte und mit tierischen Exkrementen vermischte Streu war die Grundlage für einen recht ertragreichen Ackerbau. Zur Streugewinnung werden überständige, bereits verholzende Bestände bevorzugt. Die Mahd findet damit im Spätsommer/Herbst statt, wenn der Großteil der Nährstoffe bereits in die Überdauerungsorgane der Pflanzen rückverlagert ist. Das Pfeifengras (Molinia caerulea) ist bestens an dieses Mahdregime angepasst und durch seine Saugfähigkeit gut als Einstreu geeignet; aber auch seggenreiche Bestände können eine gute Streu liefern .Durch bunte Blühaspekte können Wiesen Landschaften prägen und zur Erholung des Menschen beitragen. Durch immer intensivere Nutzung sind die meisten Wiesen heutzutage recht blühpflanzen- und artenarm (Dierschke & Briemle 2008).

LITERATUR:

  • Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (2019): Bodennutzung und Ernte 2018; https://www.statistik-berlin-brandenburg.de, Abrufdatum 20.05.2019.
  • Bachinger, J. (2002): Ökolandbau in Nordostdeutschland. Forschungsreport Verbraucherschutz-Ernährung-Landwirtschaft, S.30-34
  • Bisig, W., Bär, C., Sutter, M., Reidy, B., Egger, C., und Portmann, R. (2014): Einfluss der Fütterung auf die Zusammensetzung der Milchinhaltsstoffe. Grasland- und weidebasierte Milchproduktion. In: Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Grünland und Futterbau, 16:32-42.
  • Bundesamt für Naturschutz (2014): Grünlandreport – alles im grünen Bereich?
  • Destatis (2017): Land- und Forstwirtschaft, Fischerei- und Bodennutzung der Betriebe (landwirtschaftlich genutzte Flächen). Fachserie 3, Reihe 3.1.2.
  • Dierschke, H. & Briemle, G. (2008): Kulturgrasland. Stuttgart: Ulmer.
  • Gauly, M. (2015): Was können wir in der Milchviehhaltung besser machen? Die bayerische Milchwirtschaft im freien Wettbewerb, 5(2015): S. 8-14.
  • Greiner B., Hertwig H., Pickert J., Jänicke H. (2009): Anforderungen an die landwirtschaftliche Grünlandnutzung in Nordostdeutschland. DLG Grünlandtagung 2009, Iden, 5-15.
  • Lobsiger, M. und Wyss, U. (2008): Werte & Image der graslandbasierten Milchproduktion. Effiziente Nutzung von Grünland als Ressource für die Milch- und Fleischproduktion, S. 297.
  • Röder, N., Schmidt, T. G., Osterburg, B., et al. (2015): Grünland: Mehr als nur Viehfutter.
  • Steinwidder, A. and Starz, W. (2015): Gras dich fit!: Weidewirtschaft erfolgreich umsetzen. Stocker, L.
  • Thomet, P., Cutullic, E., Bisig, W., Wuest, C., Elsaesser, M., Steinberger, S., Steinwidder, A., (2011): Merits of full grazing systems as a sustainable and efficient milk production strategy. In: Grassland farming and land management systems in mountainous regions. Proceedings of the 16th Symposium of the European Grassland Federation, Gumpenstein, Austria, 29th-31st August, 2011, pages 273-285. Agricultural Research and Education Center (AREC) Raumberg-Gumpenstein.
  • Von Haaren, C. (2010): Der Einfluss veränderter Landnutzungen auf Klimawandel und Biodiversität: unter besonderer Berücksichtigung der Klimarelevanz von Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege. BUNDESAMT FÜR NATURSCHUTZ.
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