Moorschutz und Moornutzung

Entstehung von Moorböden

Moore entstehen bei lang andauerndem Überschuss von Wasser. Durch die im wassererfüllten Milieu gehemmten Abbauprozesse wird die Zersetzung der am Standort abgestorbenen Biomasse verhindert. Entstehung und Speicherung des organischen Materials sind demnach höher als der Verlust durch Zersetzung; natürliche und wachsende Moore haben somit eine positive Stoffbilanz. Prinzipiell wird zwischen Hoch- und Niedermooren unterschieden. Hochmoore entstehen infolge reiner Regenwasserspeisung, sind nährstoffarm und werden hauptsächlich aus Torfmoosen gebildet. Niedermoore entstehen hauptsächlich durch Grundwasserzulauf, sie können hinsichtlich des Wasserregimes, der Nährstoffverhältnisse und der Vegetation eine große Vielfalt aufweisen. In der Region Berlin-Brandenburg dominieren teils großflächige Niedermoore, Hochmoore kommen nicht vor [nach Luthardt & Zeitz, 2014].

Historische Moornutzung in Berlin und Brandenburg

Um Moore für die Produktion von Nahrungsmitteln zu nutzen, wurden sie in der Vergangenheit mit verschiedenen Verfahren sehr aufwendig verändert. Schätzungsweise 98 % der Moorflächen der Region Berlin-Brandenburg wurden umgestaltet. Ziel war einerseits der Abbau von Torf-, Mudde- und Raseneisenstein sowie andererseits die land-, forst- und gartenbauwirtschaftliche Nutzung der Niedermoorflächen. In landwirtschaftlich genutzten Mooren kamen und kommen für die Regulierung des Wasserhaushaltes bzw. für eine bessere Befahr- oder Beweidbarkeit hauptsächlich Grabenentwässerung, Dränung und Sanddeckkultur zum Einsatz. Diese traditionelle und auf eine intensive Entwässerung basierende Nutzung von Niedermooren bedingt eine sehr starke Veränderung der Bodeneigenschaften und führt zur Freisetzung umweltrelevanter Stoffe (v.a. Stickstoff und Phosphor) und Gase (v.a. Kohlendioxid) [nach Luthardt & Zeitz, 2014].

Klimarelevanz der Moornutzung

Moore sind große Kohlenstoffspeicher. Global betrachtet ist mehr Kohlenstoff in den Torfen der Moore gespeichert als in allen Wäldern der Erde, obwohl der Flächenanteil der Moore nur drei Prozent der Landoberfläche umfasst. Bei langanhaltender Wassersättigung werden die Abbauprozesse unter anaeroben Bedingungen (ohne Sauerstoff) gehemmt und die abgestorbene organische Masse wird als Torf festgelegt, der sich über die Jahre akkumuliert. Bei Entwässerung und damit Belüftung der oberen Bodenschichten wird dieses vorzersetzte Substrat rasant durch Mikroorganismen und Pilze umgesetzt und der Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre entlassen.

Die Moorstandorte wandeln sich in Abhängigkeit vom Wasserstand von einer Kohlenstoff-Senke in eine Kohlenstoff-Quelle. Zusätzlich wird Lachgas (NO2) – ein 300 Mal klimaschädlicheres Gas als CO2 in Größenordnungen ausgestoßen.

Dabei ist der Zusammenhang zwischen Wasserstand und Treibhausgas-Emission zu beachten [IPCC, 2014]:

  • stark entwässertes Grünland  (Grundwasserflurabstand im Jahresmittel tiefer als 30 cm unter Flur) 
    ⇒ 28 t CO2 – Äqu. Hektar und Jahr im Durchschnitt
  • schwach entwässertes Grünland (Grundwasserflurabstand im Jahresmittel höher als 30 cm unter Flur) 
    ⇒ 16 t CO2 – Äqu. Hektar und Jahr im Durchschnitt

Verteilung

In Deutschland nehmen Moorböden (inkl. Anmoorböden) eine Fläche von 18.250 km² ein, was in etwa der Größe Sachsens entspricht. 90 % der Moorflächen werden landwirtschaftlich genutzt, das sind ca. 7 % der Landwirtschaftsfläche. Die Emissionen aus genutzten Moorböden betragen ca. 51 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente und umfassen damit 35 % der Emissionen aus dem Landwirtschaftssektor und fast 6 % der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen [Abel et al. 2019]. In Brandenburg werden von ca. 165.000 ha Moorfläche ungefähr 110.000 ha als Grünland in Wiesen-, Weiden- und Mähweidenwirtschaft genutzt [MINISTERIUM FÜR INFRASTRUKTUR UND LANDESPLANUNG, 2013].

Nutzung_Moore_Brandenburg

LITERATUR:

  • Abel, S., Barthelmes, A., Gaudig, G., Joosten, H., Nordt, A. & Peters, J. (2019): Klimaschutz auf Moorböden – Lösungsansätze und Best-Practice-Beispiele. 84 S. Greifswald: Greifswald Moor Centrum-Schriftenreihe 03/2019 (Selbstverlag, ISSN 2627‐910X).

  • IPCC 2014: 2013 Supplement to the 2006 IPCC Guidelines for National Greenhouse Gas Inventories: Wetlands, Hiraishi, T., Krug, T., Tanabe, K., Srivastava, N., Baasansuren, J., Fukuda, M. and Troxler, T.G. (eds). Published: IPCC, Switzerland.

  • Luthardt, V.; Zeitz, J. (2014): Moore in Berlin und Brandenburg. 384 S. Rangsdorf (Natur & Text)

  • https://brandenburg.lpv.de/projekte-der-lpv/netzwerk-moorschonende-stauhaltung.html
Menü schließen